Neue epd-Dokumentation zur muslimischen Wohlfahrtspflege: LAG Musliminnen NRW sieht wichtigen Impuls für eigene Arbeit bestätigt
Mit der aktuellen Ausgabe 35/2026 ihrer Fachreihe widmet sich die epd-Dokumentation einem Thema, das die LAG Musliminnen NRW seit Jahren intensiv begleitet: der Aufbau einer eigenständigen, professionellen muslimischen Wohlfahrtspflege. Unter dem Titel „(Im Entstehen begriffenes) Wohlfahrtswesen in der muslimischen Community“ dokumentiert die Publikation den Studientag der EKD-Konferenz Kirche und Islam (KKI) – dem Beratungs- und Koordinierungsgremium der Islambeauftragten aller Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland –, der vom 25. bis 27. November 2025 in Würzburg stattfand.
Wie OKR Pastor Dr. Andreas Herrmann in seinem Vorwort deutlich macht, ist das Thema für die evangelische Kirche keineswegs neu: Bereits in der dritten Phase der Deutschen Islamkonferenz (2014–2017) stand die muslimische Wohlfahrtspflege im Fokus, insbesondere mit Blick auf Altenpflege sowie Kinder- und Jugendhilfe. Mit dem Studientag in Würzburg wollte die KKI nun eine aktuelle Standortbestimmung vornehmen: Was hat sich in den vergangenen Jahren entwickelt? Wo liegen weiterhin die Schwierigkeiten? Und welche Perspektiven zeichnen sich für die Zukunft ab? Herrmann betont dabei einen Grundsatz, der auch für die LAG Musliminnen NRW zentral ist: Genau wie es religiös oder weltanschaulich geprägte Träger der Freien Wohlfahrtspflege bereits gibt, haben auch Musliminnen und Muslime das Recht, ihre Wohlfahrtspflege konfessionell zu organisieren – getragen von den Prinzipien Subsidiarität und Wahlfreiheit.
Sechs Perspektiven auf ein Feld im Aufbruch
Die Dokumentation versammelt sechs Beiträge, die das Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten – von der historischen Einordnung über konkrete Verbandsprojekte bis zur Perspektive der etablierten Wohlfahrtspflege:
Den Auftakt der inhaltlichen Beiträge setzt Samy Charchira, Sachverständiger für muslimische Wohlfahrtspflege und lange Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Osnabrück, mit seinem Beitrag „Geschichte institutionalisierter islamischer Wohlfahrtspflege“. Er ordnet die aktuellen Debatten historisch ein und zeichnet nach, wie sich muslimische Gemeinden in Deutschland über Jahrzehnte hinweg – ausgehend von ehrenamtlichen, gemeindebasierten Strukturen – schrittweise in Richtung einer professionalisierten Wohlfahrtsarbeit entwickelt haben.
Ramzi Ghandour widmet sich anschließend unter dem Titel „Auf dem Weg zu einem dritten Ort?“ den Entwicklungslinien einer dezentralen muslimischen Wohlfahrtspflege – eine Perspektive, die bewusst nicht auf einen zentralen Dachverband setzt, sondern auf gewachsene, lokal verankerte Strukturen. Pastor Nils Christiansen und Lena Çoban berichten aus der Praxis über den Aufbau eines muslimischen Wohlfahrtsverbands in Hamburg und benennen die konkreten Hindernisse, aber auch Perspektiven eines solchen Vorhabens. Lea-Friederike Neubert bringt mit „Konkurrenz und Kooperation“ die Sicht der Diakonie ein und diskutiert, wie sich ein neuer muslimischer Wohlfahrtsverband zur etablierten Wohlfahrtslandschaft verhalten könnte. Den Abschluss bildet Prof. Dr. Michael Kiefer, Professor mit dem Schwerpunkt Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft an der Universität Osnabrück, der die zentralen Herausforderungen und Perspektiven des Feldes in Deutschland zusammenführt.
Anschluss an die eigene Arbeit der LAG
Für die LAG Musliminnen NRW fügt sich diese Publikation unmittelbar in die eigene inhaltliche Arbeit ein. Der Aufbau tragfähiger, professioneller Strukturen jenseits ehrenamtlicher Einzelinitiativen ist ein Querschnittsthema, das die LAG auf mehreren Ebenen zugleich vorantreibt. Bereits im März 2026 hat unser Co-Sprecher Samy Charchira dazu mit der Expertise „Muslimische Wohlfahrtspflege – ein wichtiger Baustein moderner Sozialpolitik und ein unverzichtbarer Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt„ einen viel beachteten fachlichen Beitrag vorgelegt, der innerhalb der LAG Musliminnen NRW auf breite Zustimmung stößt.
Dass die evangelische Kirche mit dieser Dokumentation den Dialog sucht und dabei explizit Stimmen aus der muslimischen Community zu Wort kommen lässt, wertet die LAG Musliminnen NRW als ermutigendes Signal für den weiteren interreligiösen und gesellschaftspolitischen Austausch zu diesem Thema.
Die vollständige epd-Dokumentation 35/2026 kann über den epd-Kundenservice bezogen werden.